Historischer Merian-Stich der von Mauern umgebenen Stadt Lohr am Main mit Kirchturm, Schloss und umliegenden Feldern und Wäldern

Lohrer Stadtgeschichte (Chronik)

Lohrs Geschichte - von den Anfängen bis heute

Lohrs Geschichte reicht weit zurück. Zwar wird die Stadt 1295 erstmals schriftlich erwähnt, doch Funde auf dem Kirchhügel weisen darauf hin, dass bereits in den letzten Jahrhunderten vor Christus Kelten hier siedelten. Auch der Name „Lohr“ hat vermutlich keltische Wurzeln und geht auf die 1057 erstmals urkundlich erwähnte Bezeichnung des Flüsschens Lohr als „Lara“ zurück.

Über Jahrhunderte prägten die Grafen von Rieneck die Entwicklung der Stadt. Lohr wurde ihre Hauptstadt und erhielt 1333 durch Kaiser Ludwig den Bayern die Stadtrechte. Nach dem Aussterben der Rienecker 1559 gehörte Lohr wieder zum Erzstift Mainz, bevor die Stadt nach mehreren politischen Veränderungen 1814 schließlich Teil des Königreichs Bayern wurde.

Von keltischen Spuren über Grafen und Kurmainz bis nach Bayern – entdecke die wichtigsten Stationen der Lohrer Stadtgeschichte.

Chronik

Die Lohrer Stadtgeschichte im Überblick

Acht Jahrhunderte in Etappen – von der ersten urkundlichen Nennung bis zur jüngsten Städtepartnerschaft.

13. Jahrhundert

  1. 12. – 14. Jh.

    Die Grafen von Rieneck

    Ausprägung der Stadt unter der Herrschaft der Grafen

  2. 1295

    Erste urkundliche Nennung

    Kernpunkt der Grafschaft, Grenzposten am Main

    Im Jahr der ersten urkundlichen Nennung ist Lohr Kernpunkt der Grafschaft und – im Schutz der Burganlage – Grenzposten gegen das Mainfränkische Herzogtum.

14. Jahrhundert

  1. 1333

    Gelnhäuser Stadtrecht

    Verliehen von Kaiser Ludwig dem Bayern

    Die Grafen von Rieneck erhalten für ihre „Stat zu obern Lore“ auf dem Main das Gelnhäuser Stadtrecht.

  2. 1363

    Gründung des Spitals

    Für die Armen und Kranken der Pfarrei Lohr

    Graf Gerhard von Rieneck stiftet das Spital.

  3. 1366

    Die Grafschaft wird Mainzer Lehen

    Die gesamte Grafschaft geht als Lehen an das Erzstift Mainz.

16. Jahrhundert

  1. 1525

    Sühne für den Bauernkrieg

    Zehn Jahre ohne Privilegien

    Als Sühne für die Teilnahme am Bauernkrieg werden den Lohrer Bürgern von 1525 bis 1535 die Privilegien entzogen.

  2. 1544

    Reformation der Grafschaft

    Durch den Schaffhausener Reformator Johann Konrad Ulmer

    Die Grafschaft Rieneck wird reformiert.

  3. 1559

    Der letzte Rienecker stirbt

    Lohr fällt an das Erzstift Mainz – und erlebt eine neue Blütezeit

    Mit Graf Philipp III. stirbt der letzte Rienecker. Lohr, bis dahin Residenzstadt der Grafschaft, kommt als heimgefallenes Lehen an das Erzstift Mainz und ist von da an mainzischer Herrschaftsbereich Lohr–Rieneck. Die kurmainzische Oberamtsstadt erlebt eine neue Blütezeit. Davon zeugen noch heute stattliche Bürgerhäuser mit schmuckem Fachwerk, das 1599–1602 errichtete Renaissance-Rathaus sowie das zum Oberamtssitz erweiterte Schloss.

17. Jahrhundert

  1. 1603 – 1618

    Widerstand gegen die Rekatholisierung

    Die Lohrer Bürger leisten Widerstand gegen die Rekatholisierung.

  2. 1611 – 1629

    Zeit des Hexenwahns

    Lodernde Scheiterhaufen, Neid und Missgunst grassieren

    Auch in Lohr werden Menschen der Hexerei bezichtigt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Unter den Angeklagten und Verurteilten befindet sich auch ein ehemaliger Bürgermeister der Stadt.

  3. 1631 – 1632

    Schwedeneinfall und Pest

    Die Stadt verliert mehr als die halbe Bürgerschaft

    Zwölf Jahre des Dreißigjährigen Krieges hat Lohr unbeschadet überstanden; 1632 fallen die Schweden ein. Zur Drangsal des Krieges kommt die Pest hinzu. Bis zu ihrem Erlöschen verliert die Stadt „…mehr als die halbe Bürgerschaft durch die grassierende Infektion…“.

  4. 1639

    576 Seelen an 254 Herdstätten

    Von 1.800 Einwohnern im Jahr 1601

    Von den 1.800 Einwohnern des Jahres 1601 leben nur noch „…576 Seelen an 254 Herdstätten…“.

  5. ab 1648

    Langsame Erholung

    Langsame Gesundung des handwerklichen und kleinbäuerlichen Lebens.

  6. 1660

    Valentinus-Kapelle

    Wallfahrt seit 1666, jährlich am 16. August

    Errichtung der Valentinus-Kapelle aus Anlass eines „Pestgelübdes“ der Lohrer Bürgerschaft.

  7. 1698 / 1708

    Kurfürstliche Spiegelmanufaktur

    Ein Ruf, der weit über Deutschland hinausreicht

    Gründung der kurfürstlichen Spiegelmanufaktur, die bis 1806 besteht und auch außerhalb Deutschlands einen ausgezeichneten Ruf genießt.

18. Jahrhundert

  1. 1769 / 1771

    Lohrer Schiffbauer in Wien und Prag

    Berufung zum Bau von Donau- und Moldauschiffen

    Die Berufung zeugt vom blühenden handwerklichen Leben auf den vier Lohrer Schiffsbauplätzen.

19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert beginnt für Lohr mit wichtigen politischen Veränderungen.

  1. 1803

    Das Ende des Kurmainzer Staates

    Lohr kommt zu Dalbergs Fürstentum Aschaffenburg

    Der Reichsdeputationshauptschluss zu Regensburg bringt das Ende des Kurmainzer Staates.

  2. 1810

    Zum Großherzogtum Frankfurt

    „von Napoleons Gnaden“

  3. 1814

    Lohr wird bayerisch

    Königlich Bayerische Amtsstadt

    Das Schloss ist nacheinander Sitz des Landgerichts, des Bezirksamtes und des Landratsamtes.

  4. 1817

    Blechwalzwerk in der alten Manufaktur

    1850 von den Brüdern Rexroth erworben

    Friedrich Stein errichtet in der leerstehenden Spiegelmanufaktur ein Blechwalzwerk, das sich bis heute – innerhalb des Bosch-Konzerns – zu einem Industrieunternehmen von Weltruf entwickelt hat.

  5. 1839

    Lohr wird Schulstadt

    Wiederbegründung der Lateinschule, aus der das Gymnasium entsteht

    Es folgen die klösterliche Töchterschule (1856), die Präparandenschule bzw. Lehrerbildungsstätte (1866), die Städtische gewerbliche Fortbildungsschule (1871), die Staatliche Holzschnitzschule (1880), die Staatliche Waldbauschule (1888), das Vollgymnasium mit Realschule (1894) und die Krankenpflegeschule (1928).

20. Jahrhundert

  1. 1936

    Die große Stadterweiterung beginnt

    1936 Gründung der Lindigsiedlung, 1939 Eingemeindung von Sendelbach

    Mit der Entstehung der Lindigsiedlung und der Eingemeindung von Sendelbach setzt die Stadterweiterung des 20. Jahrhunderts ein.

  2. 1945

    Ende des Zweiten Weltkrieg

    Rasche Entwicklung im Wirtschaftswunder

    Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzieht sich unter dem Einfluss des Wirtschaftswunders eine rasche Entwicklung der Stadt in allen Lebensbereichen.

  3. 1953 – 1975

    Erwachsenenbildung und Musikschule

    1953 wird in Lohr das Volksbildungswerk für Erwachsenenbildung gegründet. Seit 1974 besteht die Volkshochschule der Stadt Lohr a.Main, seit 1975 die städtische Sing- und Musikschule.

  4. 1972

    Gebietsreform

    Sieben weitere Gemeinden kommen hinzu – der Kreissitz geht verloren

    Durch die Eingemeindung der Umlandgemeinden Halsbach, Rodenbach, Ruppertshütten, Sackenbach, Steinbach, Wombach und Pflochsbach (1978) erreicht die Stadt die heutige Einwohnerzahl von rund 16.000 und eine Fläche von 9.029 ha. In der Gebietsreform verliert Lohr den Kreissitz und kommt zum Landkreis Main-Spessart mit Sitz in Karlstadt. Zudem entsteht die Patenschaft von Lohr und Burgeis (Südtirol).

  5. 1975

    Bau der zweiten Mainbrücke

  6. 1983

    650-Jahrfeier

    Anlässlich der Verleihung des Stadtrechts im Jahr 1333

    Knapp 40.000 Menschen verfolgen den historischen Festzug, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zur 650-Jahr-Feier. Die Teilnehmenden, darunter auch der damalige Bürgermeister, Stadträte sowie Verwaltungsmitglieder, erweckten die Geschichte der Stadt Lohr in historischen Gewändern zum Leben.

  7. 1992

    Städtepartnerschaft mit Ouistreham-Riva Bella (Frankreich)

21. Jahrhundert bis heute

  1. 2001

    Städtepartnerschaft mit Milicz (Polen)