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In Lohr gibt es auf kurzen Wegen erstaunlich viel zu entdecken. Prächtige fränkische Fachwerkhäuser, verwinkelte Gassen und historische Bauwerke erzählen von der jahrhundertealten Geschichte der Stadt. Zu den besonderen Blickfängen gehören das Lohrer Schloss, das Alte Rathaus und der Bayersturm – von dessen Spitze sich ein herrlicher Blick über die Altstadt, den Main und bis in den Spessart eröffnet.

Doch auch abseits der bekannten Wahrzeichen lohnt sich das Hinschauen: das denkmalgeschützte Fischerviertel, Reste der alten Stadtmauer und viele liebevolle Details machen einen Streifzug durch Lohr besonders reizvoll.

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Schloss mit zwei Türmen und Fachwerkgiebel, davor ein gepflasterter Platz mit Bäumen

Das Kurmainzer Schloss

Die denkmalgeschützte Schlossanlage mit den vier Türmen wird auch Kurmainzer Schloss genannt. 1340 legten die Grafen von Rieneck dessen Grundstein. Seit dem späten 15. Jahrhundert umgaben das Schloss ein Graben und eine Schlossmauer – heute noch gut erhalten. Nach dem Tod des letzten Rienecker Grafen übernahmen 1559 die Kurfürsten von Mainz das Schloss. Erst diese gaben ihm nach und nach seine heutige Gestalt. Seit 1972 ist im Schloss das Spessartmuseum untergebracht. Nicht zu vergessen: 1725 erblickte Schneewittchen hier das Licht der Welt!

Kellereischeune

Das Fachwerkhaus stammt aus dem 14. Jahrhundert und zählt damit zu den historischen Gebäuden der Stadt. Einst befand sich hier eine Küferei. In traditioneller Handarbeit fertigten die Küfer Holzfässer und andere Gefäße, die unter anderem zur Lagerung und zum Transport von Wein, Bier oder Lebensmitteln genutzt wurden.

Heute ist dort die Touristinformation. Außerdem erreicht man durch das Gebäude das Altstadtparkhaus.

Fachwerkgebäude mit rot-weißer Fassade und steinernem Erdgeschoss, in dem die Touristinformation Lohr untergebracht ist. Darauf weist auch ein Schild hin.
Altes Rathaus mit Turm und Blumenschmuck an den Fenstern am Marktplatz von Lohr am Main, im Hintergrund Fachwerkhäuser unter bewölktem Himmel

Altes Rathaus

Lohr war um 1600 eine sehr bedeutende Stadt, entsprechend repräsentativ und stattlich sollte auch das Rathaus sein. Auch heute noch sind an den vier Seiten des Gebäudes große Einfahrtsbogen zu sehen, durch die ein Reiter ohne abzusteigen in die ehemals offene Markthalle hineinreiten konnte. Die Märkte, die im Alten Rathaus im 17. Jahrundert stattfanden, waren enorm wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Lohr. Die imposanten Portale tragen die Wappen von verdienten Bürgern oder den Bürgermeistern aus alten Tagen.

Steinmetzkunst an der Fassade
Eine weitere Besonderheit des Bauwerkes sind die zahlreichen Fratzen, Köpfe und Kariathyden, die die Steinmetze rund um das Haus angebracht haben. Insgesamt findet man 21 verschiedene Steinmetz-Zeichen am alten Rathaus. Ein weiterer Hinweis, dass das Bauwerk von hoher Bedeutung gewesen ist. Auffallend ist zudem der sechseckige Dachreiterturm mit der goldenen Justitia.

Von der Markthalle zur Kulturstätte
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat man die offene Halle zu einem geschlossenen Raum umgestaltet. Heute befindet sich darin ein Veranstaltungsraum der Stadt Lohr, in dem oft Ausstellungen, Lesungen oder Konzerte stattfinden. In den oberen Stockwerken sind heute Stadtbücherei und die Büros der städtischen Sing- und Musikschule untergebracht. Die Stadtverwaltung ist 1985 ins Neue Rathaus am Schlossplatz umgesiedelt.

Bayersturm

Der Bayersturm stammt aus dem 13./14. Jahrhundert, ist 40 Meter hoch und war Teil der Stadtbefestigung. Kennzeichnend sind die großen Eckquader und die Barockhaube des Bauwerkes. Der wuchtige Turm steht am Ausgang des Fischerviertels, an der Ecke Fischergasse/Turmstraße. Der Stadtturm ist der letzte, der von der einstigen Stadtbefestigung noch erhalten ist. Ein weiterer großer Stadtturm, ein Torturm, stand auf Höhe des heutigen Lohrer Polizeigebäudes.

Der bestens erhaltene Bayersturm hat sechs Stockwerke, wobei auf den beiden oberen Etagen der Türmer mit seiner ganzen Familie und deren Vieh (!) gelebt hat. Die wichtige Aufgabe des Türmers bestand darin, Tag und Nacht Wache zu halten und die Bevölkerung rechtzeitig vor Feuer oder anderer Gefahr zu warnen.

Woher der Bayersturm seinen Namen hat
Über 200 Jahre lang verrichtete eine Familie namens „Bayer“ den Türmer-Dienst. Und so heißt der Turm bei den Lohrern auch „Bayersturm“. 1979 hat der Bayersturm-Verein aus dem Erlös seiner Bayersturm-Feste die Treppenanlage einbauen lassen, über die man heute bequem bis nach oben steigen kann. Im obersten Stockwerk ist die bereits erwähnte Türmerwohnung zu besichtigen. Außerdem genießt man beim Blick aus den winzigen Fenstern einen herrlichen Blick über den Main, die Stadt und in den Spessart hinein.

Gelb-rote Fahne im Wind an einem Turm mit Erker, dem Bayersturm
Fußgängerzone mit Fachwerkhäusern, Passanten mit Fahrrädern und Café-Tischen im Freien

Fachwerk in der Fußgängerzone

Auf den ersten Blick ist die Innenstadt von Lohr a.Main ein malerisches Ensemble aus prächtigen Fachwerkhäusern. Bei genauerem Hinsehen aber entdeckt man wahre Schätze.

Fachwerk

Fast ausnahmslos sieht man in Lohr fränkisches Fachwerk. Das älteste Fachwerkhaus ist ein spätgotisches Doppelhaus mit unterschiedlichen Geschosshöhen (Hauptstraße 3/5).
Sehenswert und historisch sehr interessant sind die Hausportale, Hausmadonnen sowie die wunderschönen Wirtshausschilder.

Maler-Winkel

Kunstvolles Fachwerk, geschnitzte Eckpfosten und ein besonders prächtiger Wirtshaus-Ausleger mit einem vergoldeten Adler (heute Main Echo Geschäftsstelle) kennzeichnen den Maler-Winkel (Hauptstraße 19-27). Das Ensemble liegt gegenüber des Alten Rathauses. Früher war dort auch die bedeutende Gastwirtschaft „Zum Stern“ (heute Geschäft Dreisbusch).

Unterer Marktplatz mit Märchenbrunnen

Unterhalb des Alten Rathauses liegt der Untere Marktplatz, flankiert von den traditionsreichen Gasthäusern „Weinhaus Mehling“ (Ausleger Grüner Baum) und „Schönbrunnen“. Bis 1936 stand auf dem Platz der "Fischbrunnen", der nun in der Färbergasse zu finden ist. Seit der 600-Jahr-Feier der Stadt plätschert der Märchenbrunnen des Lohrer Künstlers Hermann Amrhein auf dem Unteren Marktplatz.

Fischerviertel & Stadtmauer

Fischergasse und Muschelgasse

Fischergasse und Muschelgasse heißen die romantischen Gässchen des Lohrer Fischerviertels. Die uralten Pflastersteine in den Gassen, die einander abstützenden, kleinen historischen Wohn- und Handwerkerhäuschen, der überbordende Blumenschmuck im Sommer. Hier ist der Charme von Lohr deutlich zu spüren.

Stadtmauer/Steinmühlplatz

Am Steinmühlplatz hat man einen sehr schönen Blick auf die Stadtmauer sowie auf die Rückseite des Kapuzinerklosters. Dieses wurde am Standort des ersten Rienecker Schlosses errichtet. Als Standort einer von ehemals drei herrschaftlichen Mühlen ist der Steinmühlplatz ebenfalls interessant. Beim Blick durch das richtige Fenster findet man übrigens heute noch das Mühlrad.

Enge Gasse mit gepflastertem Boden zwischen alten Fachwerk- und Giebelhäusern, an einer Hauswand hängt eine schmiedeeiserne Laterne
Stadtpfarrkirche St. Michael in Lohr

Kirche St. Michael

Die Kirche St. Michael steht im Zentrum des Kirchplatzes. Das Gotteshaus bildete zusammen mit den umliegenden Gebäuden im frühen Mittelalter eine Art Kirchenburg, die Keimzelle der Stadt. Das ist auch heute noch an der Ummauerung und dem kleinen Tor zur Kapuzinergasse hin zu erkennen.

Stadtpfarrkirche St. Michael

Der heutige Bau ist eine Pfeilerbasilika und stammt aus der Zeit des 13. bis 15. Jahrhunderts. Es gab zahlreiche Vorgänger-Bauten, den ältesten vermutet man im 7. und 8. Jahrhundert. Der Kirchturm entstand 1496 und ist 61 Meter hoch. Der älteste Teil der Kirche ist die romanische Sakristei aus dem 12. Jahrhundert.

Lateinschule/Vorplatz

Auf dem Kirchplatz wurden bis 1551 Lohrer Bürger begraben. Heute ziert den idyllischen Platz noch ein beeindruckendes Sandsteinkreuz, das ehemalige Friedhofskreuz. In dem Haus mit der hohen Sandsteintreppe war einst eine Friedhofskapelle untergebracht, 1416 erbaut als Marienkapelle. 1544 richtete der Reformator Johann Konrad Ulmer in den Obergeschossen die erste Lateinschule der Stadt ein.

Kapuzinerkloster

Das heutige Bruder-Konrad-Haus am Kirchplatz 8 hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich stand hier der hochmittelalterliche Wohnturm der Grafen von Rieneck. 1651 bis 1664 wurde er zum Kapuzinerkloster umgebaut, an das sich die Kirche St. Joseph anschloss.

Figuren der Lohrer Karfreitagsprozession (Kapuzinerkirche)

Die Lohrer Karfreitagsprozession gehört zu den ältesten ihrer Art in Deutschland und ist seit 2026 Teil des Immateriellen Kulturerbes Bayern. Außerhalb der Prozession können die eindrucksvollen lebensgroßen Figurengruppen in der Lohrer Kapuzinerkirche aus nächster Nähe betrachtet werden. Sie erzählen vom Leiden und Sterben Christi und geben einen besonderen Einblick in eine jahrhundertealte Lohrer Tradition. Der Eintritt ist frei.

Blick auf eine lebensechte Figur, die bei der Karfreitagsprozession in Lohr am Main durch die Stadt getragen wird.
Historisches Schulgebäude mit Turmuhr und zwei Giebeln in Lohr am Main, davor befindet sich ein Parkplatzschild

Altes Gymnasium

Das Gebäude wurde 1903 im Stil der Neorenaissance erbaut und ist ein markantes Zeugnis der Architektur jener Zeit. Charakteristische Gestaltungselemente verleihen ihm bis heute sein repräsentatives Erscheinungsbild. Über die Gärtnerstraße ist es unmittelbar mit dem historischen Stadtkern verbunden und bildet damit eine architektonische Brücke zwischen der Altstadt und den später entstandenen Stadtbereichen.