Kommunalwald³: Wie Lohr Wirtschaft, Ökologie und Gemeinwohl verbindet
Wie lassen sich wirtschaftliche Waldnutzung, Artenvielfalt und die Interessen der Allgemeinheit miteinander vereinbaren? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 15. Oktober die Veranstaltung „Kommunalwald³: wirtschaftlich, ökologisch, gemeinwohlorientiert“.

Über 30 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Stadtratsmitglieder und Fachkräfte aus Kommunen waren für den Praxistag nach Lohr a.Main gekommen. Im Mittelpunkt stand der Lohrer Stadtwald, der seit mehr als 25 Jahren für eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung steht. Veranstaltet wurde der Termin vom Projekt Kommunale Biodiversität („KomBi“) unter der Verantwortung von Florian Lang gemeinsam mit der städtischen Forstverwaltung und ihrem Leiter Michael Neuner.
Erster Bürgermeister Dirk Rieb eröffnete die Veranstaltung und unterstrich die Bedeutung des Waldes für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger. Der Wald ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sondern auch Lebensraum, Klimaschützer und Erholungsgebiet. Die unterschiedlichen Funktionen miteinander in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe kommunaler Forstwirtschaft.
Biodiversität beginnt mit konkreten Maßnahmen
Florian Lang stellte anschließend das Projekt „KomBi“ vor und erläuterte, wie Kommunen und andere Akteure vor Ort die biologische Vielfalt stärken können. Dabei müssen es nicht immer große, aufwendige Vorhaben sein. Auch kleinere Maßnahmen können einen Beitrag leisten.
Warum es dabei auch auf die Bereitschaft der Kommunen ankommt, freiwillig Verantwortung zu übernehmen, brachte Lang auf den Punkt: „Naturschutz ist keine kommunale Pflichtaufgabe, das stimmt. Aber nichts zu tun, nur weil es nicht in der Gemeindeordnung steht, kann nicht der Schlüssel zum Erfolg für eine lebenswerte Zukunft sein.“
Lang unterstützt Kommunen und engagierte Akteure dabei, geeignete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Dafür bringt er sein fachliches Wissen, seine Kontakte und Informationen zu Fördermöglichkeiten ein. Das Angebot ist kostenfrei und richtet sich an alle, die sich für mehr Biodiversität in ihrer Kommune einsetzen möchten.
Der Lohrer Stadtwald: Naturschutz und Holznutzung zusammendenken
Wie der Schutz der Biodiversität im Kommunalwald aussehen kann, zeigte Stadtwaldleiter Michael Neuner direkt vor Ort. Mit mehr als 4.100 Hektar ist der Lohrer Stadtwald der drittgrößte Kommunalwald Bayerns und das größte Vermögensgut der Stadt. Bereits im Jahr 2000 ließ Lohr seinen Wald als erster Kommunalwald Bayerns nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifizieren. Die Zertifizierung steht für anspruchsvolle Standards einer verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung.
Der Ansatz des Stadtwaldes ist eine integrative Waldwirtschaft: Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung werden nicht als Gegensätze betrachtet, sondern gemeinsam in die Bewirtschaftung einbezogen. Dazu gehört beispielsweise, gezielt Biotopbäume zu erhalten und Totholz im Wald zu belassen. Solche Strukturen bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und tragen dazu bei, die biologische Vielfalt zu unterstützen.
Lohrer Stadtwald als Best Practice
Neben dem Schutz der Artenvielfalt gehören auch der Waldumbau angesichts des Klimawandels und die nachhaltige Bereitstellung des Rohstoffs Holz zu den Aufgaben der Forstverwaltung. Trockenheit, Hitze und Stürme setzen den Waldbeständen zu. Eine standortgerechte Baumartenzusammensetzung und die Entwicklung widerstandsfähiger Mischwälder gewinnen deshalb weiter an Bedeutung.
Gleichzeitig erfüllt der Stadtwald wichtige Aufgaben für die Bevölkerung. Wanderwege, Naturerlebnis und Umweltbildung machen ihn zu einem bedeutenden Erholungsraum. Hinzu kommt seine Rolle für den Wasserhaushalt und den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen.
Das Beispiel Lohr zeigt, dass Wirtschaftlichkeit und Artenschutz Hand in Hand gehen können, durch eine langfristige, fachlich fundierte Bewirtschaftung. Der Austausch zwischen dem Projekt „Kombi“ und der städtischen Forstverwaltung bietet zugleich Anregungen für andere Kommunen, die ihre eigenen Möglichkeiten zum Schutz der biologischen Vielfalt weiterentwickeln möchten.
Die über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Praxistag Kommunalwald³ nahmen zahlreiche Einblicke in die Arbeit des Stadtwaldes, konkrete Anregungen für die eigene kommunale Praxis und neue Impulse für den Umgang mit der biologischen Vielfalt mit. Der Austausch zeigte: Entscheidend sind das Wissen um geeignete Möglichkeiten, die Zusammenarbeit vor Ort und der Mut, ins Handeln zu kommen.