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Green Book - Eine besondere Freundschaft

17.07.2019
Kulturkeller im Weinhaus Mehling | 20:30


Veranstaltungsort:
Kulturkeller im Weinhaus Mehling
Hauptstraße 30
97816 Lohr a.Main

Tel.: 09352/2602

info@weinhaus-mehling.de
Veranstalter:
Weinhaus Mehling

"Green Book" war ein riesiger Arthouse Hit und wir fanden ihn einfach wunderbar. Viele Kritiker sahen das anders und haben sich vor allem daran gestört, dass er rassistische Vorurteile bedient. Als Beispiel hier mal die Kritik aus der ZEIT:

Damit in Filmen schwarze und weiße Amerikanerinnen und Amerikaner Freunde werden können, braucht es meistens Geld. Geld, das von der einen in die andere Hand wandern kann und ein künstliches Abhängigkeitsverhältnis schafft. Nur so scheinen weiße Protagonisten die eigenen Vorurteile aus ihren Köpfen verbannen zu können. Das berühmteste Beispiel ist der Oscar gekrönte Film Miss Daisy und ihr Chauffeur aus dem Jahr 1989. Daisy, weiß, exzentrisch und verwitwet, wird von ihm, Hoke, schwarz, weise, ebenfalls verwitwet, solange in die Synagoge und die Bücherei gefahren, bis aus Antipathie Freundschaft wird. Nun kommt, genau dreißig Jahre später, Green Book in die deutschen Kinos und führt die Erzählung fort. Nur andersrum: Der Geldgeber ist schwarz, der Kerl hinterm Lenkrad weiß (die Vorurteile bleiben natürlich da, wo sie hingehören). In Amerika ist der Film bereits für fünf Oscars nominiert. Die Akademie liebt solche Versöhnungsstorys, in denen es um die Erleuchtung weißer Helden geht. Mit ihnen lässt sich auf großer Leinwand zeigen, wie weit das Land (von Segregation zu Integration) doch gekommen ist (oder gerne gekommen wäre). Green Book ist ein Roadmovie, spielt in den frühen Sechzigerjahren und erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Freundschaftsgeschichte von Tony Vallelonga und Don Shirley.

Carolin Würfel - ZEIT online

 

Allein schon die erste Begegnung: Der italoamerikanische Rausschmeißer Tony Lip will sich für einen Job als Fahrer bewerben, und dann thront dieser Dr. Don Shirley im Luxusapartment über der Carnegie Hall auf einem großen goldenen Stuhl wie ein afrikanischer König im bunt gemusterten Kaftan. Hier die Mafia­gewalt auf den Straßen der einfachen Leute, dort die Hochkultur in den Konzertsälen. Hier der einfache weiße, recht unverhohlen rassistische Türsteher im Kunstfaserhemd, dort der schwarze Weltklassepianist im Smoking. Nicht gerade ein match made in heaven, sondern eher eine pragmatische Zweckgemeinschaft: Tony ist arbeitslos, weil der Nachtclub, in dem er angestellt war, wegen Renovierung einige Monate geschlossen bleibt. Und Shirley plant eine Tournee durch die Südstaaten, ein riskantes Unterfangen, denn Anfang der 60er Jahre darf er dort häufig zwar als gefeierter Musiker für hohe Gagen vor erlesenem Publikum spielen, aber bitteschön nicht vorher am Nachbartisch im Restaurant speisen. Er braucht also nicht nur einen Chauffeur, sondern vor allem einen Leibwächter auf der Route, die vom »Green Book« definiert ist: Der schwarze Postbote Victor H. Green hatte die erste Ausgabe des »Negro Motorist Green Book« 1937 ­verfasst, einem Reiseführer, der Restaurants, Hotels, Pensionen und Friseure verzeichnete, in denen schwarze Touristen willkommen waren. Die letzte Ausgabe erschien Mitte der 60er Jahre. Auch wenn der Film von einem nos­talgischen Schimmer überzogen ist, im warmen Licht der Swinging Sixties erstrahlt und den Glanz regennasser Straßen und schnittig chromblitzender Autos zelebriert, lässt Peter Farrelly keinen Zweifel daran, dass seine Nostalgie nicht dem Rassismus im damaligen Amerika gilt.

Anke Sterneborg - epd-Film

 

Der Film ist entstanden nach einer wahren Geschichte - wie zwei Menschen langsam ziemlich beste Freunde wurden in den Sechzigern. Tony Vallelonga hat sie seinem Sohn Nick erzählt, der hat, nach dem Tod des Vaters, mit dem Filmemacher Peter Farrelly ein Drehbuch daraus geschrieben. Tony Lip hat dann noch eine kleine Karriere im Kino gemacht, zuerst als ein Gast auf der großen Hochzeit beim "Godfather", später als Gangsterboss bei den "Sopranos" oder Martin Scorseses "GoodFellas".

Fritz Göttler - Süddeutsche Zeitung

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