Offener Brief des Ersten Bürgermeisters


Eintrag vom 27.03.2020, 10:53 Uhr

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

gestern Abend telefonierte ich mit meinen Großeltern. Meine Oma ist 87, mein Opa 89 Jahre alt. Ihnen geht es – wie sehr, sehr vielen Menschen in Deutschland – gut. Sie sind gesund, abgesehen von ein paar altersbedingten „Wehwehchen“. Die Einschränkungen, die durch den neuartigen Corona-Virus notwendig geworden sind, nehmen sie mit Besonnenheit auf sich.

Allerdings blicken sie nicht ohne Sorge in die Zukunft. Meine Großeltern haben in ihrem langen Leben schon viel mitgemacht. Doch noch nie haben sie erlebt, dass binnen weniger Wochen ein Virus das öffentliche Leben in vielen Teilen der Erde quasi stilllegt, die deutsche Volkswirtschaft von Vollbeschäftigung in die Rezession treibt und selbst hervorragend entwickelte Gesundheitssysteme von Industrienationen zur Überlastung bringt.

Ja, wir leben gerade in besonderen Zeiten. Sie stellen uns alle vor große Herausforderungen. Hierfür gibt es keine vorgefertigten Pläne. Umso mehr verdient das engagierte und verantwortungsvolle Handeln vieler unser aller Respekt und Anerkennung: Regierungen und Behörden tun, was notwendig ist, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und unser Gesundheitssystem in kurzer Zeit bestmöglich auf die Folgen der Pandemie vorzubereiten. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen arbeiten unter sehr hoher körperlicher und psychischer Belastung. Unsere Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ist dank des großen Einsatzes vieler Menschen im Einzelhandel gesichert.

Wir erleben derzeit nicht nur eine einmalige Krise, sondern ebenso außergewöhnliches Engagement und Verantwortungsgefühl zahlreicher Menschen in unserem Land und auch in unserer Stadt. Viele leisten unkompliziert einen sehr wichtigen Beitrag, damit Hilfe und Unterstützung dort ankommt, wo sie so dringend gebraucht wird: Gesten der Solidarität mit dem Personal in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Unterstützung für hilfsbedürftige Nachbarn oder Aufbau von Netzwerken, um Hilfeleistungen zu koordinieren – diese enorme Hilfsbereitschaft von einzelnen Menschen, von Vereinen, Hilfsorganisationen oder Unternehmen lässt mich trotz der schwierigen Herausforderungen mit großer Zuversicht in die Zukunft blicken.

Selbstverständlich leistet auch die Stadtverwaltung Lohr ihren Beitrag, um die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen. Zwar ist das Lohrer Rathaus seit 16. März für den Publikumsverkehr geschlossen, doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lohrer Stadtverwaltung sind weiterhin für Sie da: In den Kindergärten wird eine Notbetreuung aufrechterhalten. Die Stadtwerke sichern die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung. Die Feuerwehr ist selbstverständlich einsatzbereit. Alle Stellen im Rathaus, wie Einwohnermeldeamt, Rentenstelle oder Bauamt, sind weiterhin über E-¬Mail oder telefonisch für Sie erreichbar.

Die Corona-Pandemie führt uns überaus deutlich vor Augen, wie anfällig globale Waren- und Wirtschaftsbeziehungen sind. Wir sind in hohem Maße abhängig etwa von Produktions- und Lieferkapazitäten in Asien. Diese Einsicht führt leider nicht unmittelbar zu einer Stärkung lokaler und regionaler Strukturen. Im Gegenteil, gegenwärtig ist zu befürchten, dass insbesondere Gastronomie und Einzelhandel vor Ort oder kleine und mittelständische Betriebe, die seit Jahren treue Steuerzahler sind, massiv unter der Krise leiden werden.

Daher wünsche ich mir, dass wir den hohen Wert intakter, leistungsfähiger lokaler Strukturen erkennen und für deren Erhalt eintreten. Lassen Sie uns in unserer Stadt und unserer Region den Schulterschluss üben und uns gegenseitig nach Kräften unterstützen. Niemand soll in diesen Zeiten das Gefühl haben, alleine gelassen zu werden oder gar alleine zu sein. Auch wenn wir gezwungen sind, Distanz zu halten, gilt umso mehr: Bleiben wir miteinander in Kontakt und kümmern uns umeinander.

Dank vieler engagierter Menschen konnten in kürzester Zeit zahlreiche Hilfsangebote geschaffen werden. Nachfolgend sind einige dieser Angebote aufgeführt. Eine immer wieder aktualisierte Liste finden Sie auf den Webseiten der Stadt Lohr a.Main. Tatsächlich wird also niemand in dieser schweren Zeit alleine gelassen. Nehmen Sie bitte die Hilfe an.

Dr. Mario Paul
Erster Bürgermeister

Für Fragen zur Nachbarschaftshilfe u.ä. haben wir für Sie ein Bürgertelefon eingerichtet.

Sie erreichen uns:

Montag – Freitag von 10:00 – 14:00 Uhr

unter: 09352-848 465

oder per E-Mail an: nachbarschaftshilfe@ lohr.de

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